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Innovation beginnt nicht im Labor. Sondern mit einem neuen Blick.

Aktualisiert: 30. Juni

Warum die Zukunft unserer Regionen davon abhängt, was wir bereit sind zu sehen


Ich habe mir einmal die Frage gestellt, warum manche Menschen überall Chancen entdecken – und andere vor allem Probleme.


Sie gehen durch dieselbe Stadt.

Sie schauen auf dieselben Unternehmen.

Sie lesen dieselben Nachrichten.


Und trotzdem kommen sie zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

Die einen sehen Wandel und denken an Risiken.

Die anderen sehen denselben Wandel und erkennen nichts als Chancen und Möglichkeiten.


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau darin der eigentliche Unterschied liegt.


Nicht im Wissen.

Nicht im Talent.

Nicht einmal in den finanziellen Möglichkeiten.

Sondern im Blick auf die Dinge.


Und vielleicht gilt das nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für ganze Regionen.

Erfolgreiche Regionen sind deshalb nicht unbedingt diejenigen mit den meisten Ideen. Sondern diejenigen, die vorhandene Möglichkeiten früher erkennen als andere.

Wer an Innovation denkt, denkt meist an Künstliche Intelligenz. An Robotik. An Hightech. An Silicon Valley und Start-ups in modernen Bürogebäuden oder an Menschen, die in Laboren an der nächsten bahnbrechenden Erfindung arbeiten.


Doch genau darin liegt häufig unser Denkfehler.

Innovation beginnt viel früher.

Nicht mit einer Erfindung. Nicht mit einer Technologie.

Sondern mit der Fähigkeit, die Welt um uns herum mit anderen Augen zu betrachten.

Genau dieser Gedanke hat uns durch die aktuelle Ausgabe unseres Powerregionen-Magazins begleitet. Denn Zukunft entsteht selten dort, wo wir sie vermuten. Sie entsteht oft mitten in unserem Alltag – an Orten, an denen wir jeden Tag vorbeikommen, ohne ihr Potenzial überhaupt wahrzunehmen.


Frau mit VR-Brille vor Stadtpanorama; auf der Brille: Forschung, Start-ups, Gesundheit. Text: Innovation beginnt nicht im Labor. Sondern mit einem neuen Blick. Warum erfolgreiche Regionen zuerst lernen, anders hinzusehen und welche Chancen direkt vor unserer Haustür warten. Schwerpunktthema bei den Powerregionen im Juni 2026


Zwei Menschen. Eine Region. Zwei völlig unterschiedliche Zukunftsbilder


Stellen Sie sich vor, zwei Menschen stehen am selben Ort.

Sie blicken auf denselben Hörsaal.

Der eine sieht Studierende.

Der andere sieht den Maschinenraum der Zukunft.


Er sieht dort die Ingenieurin, die in einigen Jahren den Mittelstand digitalisiert. Den Gründer, der aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen macht. Die Forscherin, deren Erkenntnisse den Weg in regionale Unternehmen finden. Die Fachkräfte, die entscheiden, ob Unternehmen bleiben oder abwandern.


Beide sehen dasselbe.

Und doch sehen sie etwas völlig Unterschiedliches.

Genau so verhält es sich mit vielen Orten unserer Heimat.


Ein leerstehendes Ladenlokal kann ein Symbol des Niedergangs sein.

Oder der günstigste Innovationsstandort einer ganzen Region.


Ein Wanderweg kann einfach ein schöner Spaziergang sein.

Oder Gesundheitsvorsorge, sanfter Tourismus, regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und Lebensqualität zugleich.


Innovation beginnt genau dort.

In dem Moment, in dem wir lernen, mehr zu sehen als das Offensichtliche.



Innovation braucht Start-ups. Aber Start-ups brauchen Regionen


Vor wenigen Tagen hörte ich ein Interview mit Dr. Andreas Schwarz, dem Kabinettschef der EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation, Ekaterina Zaharieva. In dieser Funktion arbeitet er unmittelbar an der europäischen Innovations- und Start-up-Strategie mit und beschäftigt sich täglich mit der Frage, wie Europa im globalen Wettbewerb innovativer und wettbewerbsfähiger werden kann.


Seine Kernaussage war ebenso klar wie bemerkenswert:


„Disruptive Innovation kommt vor allem von Start-ups.“ 


Europa müsse innovationsfreundlicher werden. Junge Unternehmen bräuchten bessere Wachstumsbedingungen, leichteren Zugang zu Kapital und vor allem mehr Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen. Denn große Unternehmen brauchen Start-ups genauso, wie Start-ups große Unternehmen brauchen.


Dem kann man nur zustimmen.

Doch diese Geschichte beginnt noch früher.

Denn Start-ups entstehen nicht im luftleeren Raum.

Sie brauchen Menschen.

Sie brauchen Ideen.

Sie brauchen Mut.

Sie brauchen Rahmenbedingungen.


Und sie brauchen Regionen, die genau diese Voraussetzungen schaffen.

Deshalb spricht auch die OECD heute nicht mehr nur über einzelne Unternehmen oder einzelne Erfindungen. Im Mittelpunkt steht vielmehr das regionale Innovationsökosystem.


Gemeint ist damit das Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure: Hochschulen, Unternehmen, Handwerksbetriebe, Kommunen, Politik, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger bilden gemeinsam ein Umfeld, in dem Innovation entstehen kann.


Die OECD kommt dabei zu einer bemerkenswerten Erkenntnis: Erfolgreiche Innovation ist heute nur noch selten das Werk einzelner Genies. Sie entsteht dort, wo Wissen geteilt, Kooperationen aufgebaut und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

Mit anderen Worten: Innovation ist Teamarbeit.

Und Regionen sind ihre Bühne.



Große Innovationen beginnen oft mit einer einfachen Frage


Manchmal stellen wir uns Innovationen als gewaltige technische Durchbrüche vor. Als etwas, das ausschließlich in hochmodernen Laboren oder milliardenschweren Forschungszentren entsteht. Doch viele Innovationen beginnen erstaunlich unspektakulär.

Mit einer Beobachtung.

Mit einer Frage.


Oder mit dem unbedingten Willen, ein alltägliches Problem endlich besser zu lösen.

Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist der niederländische Ingenieur Fred van der Weij.

Er fragte sich nicht, wie er das nächste Milliardenunternehmen gründen könnte. Er wollte auch keine Revolution der Küchentechnik auslösen. Und dennoch tat er es.


Er störte sich an etwas, das Millionen Menschen ganz selbstverständlich hinnahmen:

Warum müssen Pommes eigentlich in heißem Öl zubereitet werden?

Diese Frage ließ ihn nicht mehr los.

Mit großer Beharrlichkeit entwickelte er eine Technologie, die Lebensmittel mit heißer Luft statt mit Öl knusprig zubereitet. Aus dieser Idee entstand die Heißluftfritteuse – ein Produkt, das heute in Millionen Haushalten weltweit zum Alltag gehört.


Nachdem Fred van der Weij seine Erfindung patentiert hatte, übernahm ein etabliertes Unternehmen die Weiterentwicklung, die Produktion und die weltweite Vermarktung. So wurde aus einer technischen Idee eine Innovation, die ihren Weg in Küchen rund um den Globus fand. Bemerkenswert ist dabei noch etwas anderes. Fred van der Weij wurde nie zum großen Unternehmer. Er war Ingenieur – mit dem unbedingten Willen, ein Problem zu lösen. Er sah nicht zuerst ein Produkt. Er sah eine Herausforderung, die sich besser lösen ließ als bisher.


Darin liegt eine weitere wichtige Erkenntnis.

Innovation braucht nicht nur Menschen mit guten Ideen.

Sie braucht ebenso Unternehmen, die bereit sind, diese Ideen aufzugreifen, weiterzuentwickeln und groß zu machen. Genau so entstehen Innovationsökosysteme.

Menschen mit Ideen.

Unternehmen mit Erfahrung.

Forschung mit Wissen.

Regionen, die all das miteinander verbinden.


Die Geschichte von Fred van der Weij zeigt eindrucksvoll, dass Innovation nicht immer laut beginnt. Oft beginnt sie mit einer einfachen Frage – und mit der Beharrlichkeit, so lange nach einer Lösung zu suchen, bis sie gefunden ist.


Mehr über diese außergewöhnliche Erfindergeschichte erfahren Sie hier:

👉 „Nichts als heiße Luft?“ – Wie ein europäischer Ingenieur mit einer einfachen Idee die Welt eroberte
https://www.katjapeteratzinger.de/nichts-als-heisse-luft/



Unsere größte Ressource ist vielleicht längst vorhanden


Wenn wir über Zukunft sprechen, konzentrieren wir uns häufig auf das, was uns fehlt.

Es fehlen Fachkräfte.

Es fehlen Investitionen.

Es fehlen Fördermittel.

Es fehlen Gründer.


Doch mindestens genauso wichtig ist die Frage, was bereits vorhanden ist.

Wir verfügen über leistungsfähige mittelständische Unternehmen.

Über ein innovatives Handwerk.

Über Hochschulen.

Über engagierte Kommunen.

Über Vereine.

Über Ehrenamt.

Über Unternehmerinnen und Unternehmer, die seit Generationen Verantwortung übernehmen.

Über Menschen, die ihre Heimat gestalten möchten.


Oft mangelt es uns weniger an Potenzialen als an unserer Fähigkeit, diese miteinander zu verbinden. Denn genau dort entstehen Innovationsökosysteme. Nicht durch Zufall.

Sondern durch Begegnung.


Warum Hochschulen viel mehr sind als Ausbildungsstätten.

Wer einen Hörsaal betrachtet, sieht häufig junge Menschen beim Lernen.

Doch moderne Hochschulen leisten weit mehr.

Sie sind Wissensspeicher.

Ideenschmieden.

Treffpunkte unterschiedlichster Disziplinen.

Sie bringen Forschung und Wirtschaft zusammen. Sie fördern Gründungen. Sie bilden Fachkräfte aus und sorgen dafür, dass neue Erkenntnisse ihren Weg in Unternehmen finden.

Für Regionen sind sie deshalb weit mehr als Bildungseinrichtungen.

Sie sind Zukunftsinvestitionen. Nicht nur für die Studierenden.

Sondern für jeden Betrieb, der morgen qualifizierte Mitarbeiter sucht.


Gerade deshalb hat mich auch der Austausch mit THM StudiumPlus und die Diskussionen beim Wirtschaftsrat Deutschland e.v. nachdenklich gemacht. Beide zeigen auf ihre Weise, dass Fachkräftesicherung und Innovation keine getrennten Themen sind. Wer die Wettbewerbsfähigkeit einer Region stärken will, muss dafür sorgen, dass Wissen, Unternehmergeist und Praxis zusammenfinden. Genau dort entstehen die Ideen, aus denen später Unternehmen, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke wachsen.



Leerstand als Immobilienproblem?


Kaum etwas wird so häufig als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche wahrgenommen wie ein leerstehendes Ladenlokal. Dabei lohnt sich auch hier ein Perspektivwechsel. Leere Räume sind zunächst einmal nichts anderes als Räume ohne festgelegte Funktion. Gerade darin liegt ihre Chance.


Vielleicht entsteht dort morgen ein Gründerzentrum.

Ein Pop-up-Store.

Ein Bürgerlabor.

Ein Coworking-Space.

Ein Ausbildungscampus auf Zeit.


Oder einfach der Ort, an dem zwei Menschen zufällig ins Gespräch kommen und gemeinsam eine Idee entwickeln.


Nicht jedes erfolgreiche Unternehmen beginnt in einem Technologiepark.

Manche beginnen auf gerade einmal achtzig Quadratmetern.


Zukunft beginnt vor der eigenen Haustür.

Wir neigen dazu, Innovation mit großen Metropolen zu verbinden.

Mit Berlin.

Mit München.

Mit dem Silicon Valley in den USA.


Doch die Geschichte erfolgreicher Regionen zeigt etwas anderes.

Innovation entsteht überall dort, wo Menschen bereit sind, etwas zu wagen.

Wo Unternehmen zusammenarbeiten.

Wo Kommunen Räume schaffen.

Wo Hochschulen Wissen teilen.

Wo Menschen ihre Heimat nicht nur verwalten, sondern gestalten wollen.

Statt zu fragen:

„Warum entstehen erfolgreiche Ideen immer woanders?“

sollten wir häufiger fragen: „Welche Möglichkeiten übersehen wir direkt vor unserer Haustür?“



Ein neuer Blick auf unsere Heimat


Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Ausgabe.

Nicht alles, was Zukunft schafft, sieht auf den ersten Blick nach Innovation aus.

Manchmal beginnt sie auf einem Wanderweg.

Manchmal in einem Hörsaal.

Manchmal in einem Familienunternehmen.

Manchmal in einem leerstehenden Geschäft.


Und manchmal beginnt sie einfach damit, dass jemand den Mut hat, dieselbe Region mit anderen Augen zu betrachten. Denn Zukunft entsteht nicht irgendwann. Sie entsteht dort, wo Menschen Potenziale erkennen, bevor sie für alle anderen sichtbar werden.

Genau das macht erfolgreiche Regionen aus.

Nicht ihre Größe.

Nicht ihre Einwohnerzahl.

Nicht ihr Budget.

Sondern ihre Haltung.


Wer seine Heimat neu sehen kann, entdeckt neue Möglichkeiten.

Und genau deshalb ist „Wo wir sind, ist vorn.“ weit mehr als ein Slogan.

Es ist eine Einladung, den Blick zu verändern.


Weg vom Mangel.

Hin zu den Chancen.


Weg von der Frage, was andere besser machen.

Hin zu der Erkenntnis, welches Potenzial längst vor unserer eigenen Haustür darauf wartet, entdeckt zu werden.


Denn Innovation beginnt nicht im Labor.

Sie beginnt mit einem neuen Blick.


Schauen Sie gerne vorbei in der Juni-Ausgabe der Powerregionen-Impulse: https://www.powerregionen.de/_files/ugd/166b00_21c72962d5a94326b7fc8f11d98bfc18.pdf?index=true


Ich habe mir einmal die Frage gestellt, warum manche Menschen überall Chancen entdecken – und andere vor allem Probleme.



Sie gehen durch dieselbe Stadt.

Sie schauen auf dieselben Unternehmen.

Sie lesen dieselben Nachrichten.



Und trotzdem kommen sie zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

Die einen sehen Wandel und denken an Risiken.

Die anderen sehen denselben Wandel und erkennen nichts als Chancen und Möglichkeiten.



Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau darin der eigentliche Unterschied liegt.



Nicht im Wissen.

Nicht im Talent.

Nicht einmal in den finanziellen Möglichkeiten.
Sondern im Blick auf die Dinge.


Autorin:

Katja Peteratzinger, Internationale Diplom-Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing, Unternehmerin, Publizistin und treibende Kraft hinter der Initiative Powerregionen.

Hof Gnadenthal 3, 65597 Hünfelden, service@peteratzinger-publishing.de

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